Möchte ihr Fähnchen nicht mit dem Wind drehen: Die FDP-Landtagskandidatin für Aachen, Claudia Cormann, im Straßenwahlkampf auf dem Burtscheider Markt.

 

 

Foto: Ralf Roeger

 

FDP-Straßenwahlkampf auf dem aufsteigenden Ast

Aachen. Mittlerweile, so könnte man den Eindruck gewinnen, haben nicht wenige Wähler das Interesse an den Liberalen wiedergefunden. Wenn die FDP auf der Straße ist, namentlich die Aachener Kandidaten Claudia Cormann und Peter Blum, dann bleiben potenzielle Wähler am Wahlkampfstand stehen und wollen wissen, wer für die Partei dort steht.

Gut, vielleicht nicht unmittelbar aus eigenem Antrieb. Vielleicht braucht es die, den schnellen Gang über den Burtscheider Markt bremsende Frage von Cormann: „Wissen Sie schon, wen Sie wählen?“ Dann aber entspinnt sich eine erstaunliche Zahl meist kurzer Gespräche.

Die Frage nach Zufriedenheit

Bei einem gut gekleideten Herrn Mitte bis Ende 50, der über den Markt schlendert, hat Cormann Glück. Er reagiert auf Deutsch mit italienischem Einschlag auf ihre Ansprache und bleibt stehen. Cormann lächelt und wechselt zu Italienisch. Fließend. Ihr gegenüber lächelt, antwortet in der gleichen Sprache. Schuhe, Jacke, Pullover – vom äußeren Eindruck könnte es sich hier um jemanden handeln, der bereits FDP-Stammwähler ist.

Weil die Chemie offenbar stimmt zwischen Politikerin und potenziellem Wähler, kommt Cormann zur Sache: „Sind Sie eigentlich zufrieden mit dem, was SPD und Grüne in Düsseldorf so machen?“ „Nicht mit allem“, antwortet er. Cormann naturgemäß schon lange nicht. Und dann unterhält sie sich mit dem Mann über soziale Gerechtigkeit. Darüber, dass ihrer Meinung nach Hartz IV-Empfänger verdientes Geld behalten dürfen sollten, wenn sie drei Stunden zusätzlich arbeiten.

Oder sie erzählt von liberalen Plänen, in NRW 30 Exzellenzgymnasien aufbauen zu wollen. Eine Dame gesellt sich zu den beiden, nimmt den Mann beim Arm. Es werde nun Zeit, sagt sie. „Ihr Mann?“, fragt Cormann. Die Frau nickt. Ihr Mann sagt: „Sie wählt schon immer FDP“, und weist mit dem Kopf in Richtung Partnerin. Cormann lächelt und fragt: „Können Sie Ihren Mann denn nicht davon überzeugen, uns seine Zweitstimme zu geben? Eine starke FDP in Düsseldorf wäre wichtig für NRW.“

Die Frau lächelt und antwortet: „Der darf doch gar nicht wählen.“ Cormann lacht. Das Pärchen auch. Zum Abschied bekommt der Mann ein Fähnchen in die Hand gedrückt. Fast feierlich hält er es nach oben, bläst gegen das Fähnchen und dreht es im Wind. Cormann versteht die Mahnung und schüttelt mit dem Kopf. Ihr Fähnchen mit dem Wind zu drehen, das sei weder die Art von FDP-Chef Christian Lindner, noch der Plan der Liberalen, sollten sie es in den Landtag schaffen.

In Aachen hat die Partei jüngst einen beispiellosen Zulauf erfahren. „50 neue Mitglieder in drei bis vier Wochen“, sagt Blum. Die meisten von ihnen noch sehr jung. Sind die Liberalen etwa wieder sexy? Steigen sie geläutert empor aus der politischen Bedeutungslosigkeit der vergangenen Jahre? Vielleicht. Blum meint, die Partei profitiere vom Schulz-Effekt – proportional sogar stärker als die SPD. „Viele denken wieder darüber nach, ob und warum es sinnvoll ist, sich in der Politik zu engagieren.“

Aber eben nicht automatisch in der SPD. Und die Rede, die FDP-Chef Lindner jüngst an der RWTH gehalten habe, sei eingeschlagen wie eine Bombe. Seither hätten sich viele junge Menschen dafür entschieden, zur FDP zu gehen. In ganz NRW seien in wenigen Wochen knapp 700 neue Mitglieder zur Partei gestoßen.

Der Wahlkampfstand – ein Pult mit ein paar Flyern und Giveaways, darüber ein FDP-Sonnenschirm, dahinter eine Trennwand – steht auf vom Ordnungsamt zugewiesenen neun Quadratmetern. Darauf ist auch ein Citroen 2 CV geparkt, eine Ente. Auf dem Auto prangt Cormanns Konterfei.

Angereist ist die 54-Jährige aber auf einem Motorroller. „Auf Facebook habe ich schon gelesen, wir hätten jetzt auch eine Umsteiger-Affäre“, witzelt sie und spielt auf den Ärger um Grünen-Ministerin Sylvia Löhrmann an, die in Düsseldorf vor einem Wahlkampf-Termin vom Audi A8-Dienstwagen in ein Hybridauto umgestiegen war.

Die Wahlkampfstände finde er besser, aber auch ein wenig irreführend. Pünktlich vor der Wahl werde den Wählern signalisiert: „Ich stehe auf deiner Stufe. Wir reden auf Augenhöhe. Komm, wir gehen einen saufen.“ Immerhin gebe es dort persönlichen Kontakt, bei dem man mal ein paar Worte loswerden könne. Was daraus später gemacht werde, stehe auf einem anderen Blatt

Von: Thomas Vogel,  26. April 2017  

http://www.aachener-nachrichten.de/lokales/aachen/fdp-strassenwahlkampf-auf-dem-aufsteigenden-ast-1.1610873#plx905266938

 

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