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Presse
20.10.2010, 18:47 Uhr | Übersicht | Drucken
CDU-Kreisverband Aachen-Stadt drückt Laschet die Daumen,

Claudia Cormann, die stellvertretende Vorsitzende im CDU-Kreisverband Aachen-Stadt drückt Laschet die Daumen, ist der Kreisverband doch Laschets politische Heimat; hier ist er seit langem Vorsitzender. Zwar sei Röttgen ein hervorragender Bundespolitiker, doch „der Parteichef in NRW muss jemand sein, der jeden Tag im Landtag am Ball ist und mitbekommt, was im Land so los ist“, sagt Cormann. Laschet werde am Ende auch landesweit vorne liegen, schätzt sie.



Die Basis regt sich. Es wird spannend für Laschet und Röttgen.
Bislang beteiligen sich schon viele an der Mitgliederbefragung über den CDU-Landesvorsitzenden. Reul fordert mehr Engagement und mehr Streit in der Partei.
Von Nicola Gottfroh und Peter Pappert
Aachen/Düsseldorf. Rund 160000 CDU-Mitglieder in Nordrhein-Westfalen sind derzeit zur Abstimmung aufgerufen, wer neuer Vorsitzender ihrer Landespartei werden soll: Ex-Integrationsminister Armin Laschet (Aachen) oder Bundesumweltminister Norbert Röttgen. Seit dem 4. Oktober können sie ihr Votum per Brief an ihre jeweilige Kreisgeschäftsstelle schicken. Und eines steht nach Aussage von Andreas Krautscheid, Generalsekretär der Landes-CDU, bereits fest: „Der neue Vorsitzende wird sich auf ein starkes Votum stützen können.“ Bis jetzt haben sich landesweit bereits rund 35 Prozent der Christdemokraten an der Mitgliederbefragung beteiligt.

Bis Ende kommender Woche läuft die Abstimmung noch. Spätestens am 30. Oktober müssen die „Briefwahl“-Unterlagen in den Kreisgeschäftsstellen sein. Am Sonntag, 31. Oktober, können die CDU-Mitglieder zwischen 11 und 17 Uhr in speziellen Abstimmungslokalen ihrer Kreisverbände auch noch persönlich abstimmen – in Aachen zum Beispiel beim „Tag der CDU“ in den Burtscheider Kurparkterrassen oder in Düren in der Kreisgeschäftsstelle (Binsfelder Straße 95). Ab 17 Uhr werden dann alle Stimmen (einschließlich „Briefwahl“) öffentlich ausgezählt.

Die Frage der Präsenz

Zahlreiche der insgesamt 14830 Christdemokraten im Bezirksverband Aachen haben ihr Votum bereits per Brief abgegeben. Von den rund 4000 CDU-Mitgliedern im Kreisverband Aachen-Land hat bislang ein „gutes Drittel“ abgestimmt, heißt es in der Kreisgeschäftsstelle. Wie das Endergebnis in Aachen oder gar landesweit aussehen könnte, das wagt Axel Wirtz, Kreisvorsitzender Aachen-Land, jedoch nicht vorauszusagen. Seinen persönlichen Favoriten nennt er aber gerne: Armin Laschet. Zu dessen Vorteilen zähle vor allem seine Präsenz im Düsseldorfer Landtag. Sollte die rot-grüne Minderheitsregierung scheitern, stünde er als Spitzenkandidat direkt zur Verfügung.

Auch das Votum von Claudia Cormann überrascht kaum. Die stellvertretende Vorsitzende im CDU-Kreisverband Aachen-Stadt drückt Laschet die Daumen, ist der Kreisverband doch Laschets politische Heimat; hier ist er seit langem Vorsitzender. Zwar sei Röttgen ein hervorragender Bundespolitiker, doch „der Parteichef in NRW muss jemand sein, der jeden Tag im Landtag am Ball ist und mitbekommt, was im Land so los ist“, sagt Cormann. Laschet werde am Ende auch landesweit vorne liegen, schätzt sie.

So deutlich will man sich in den angrenzenden Kreisverbänden nicht zu einem Kandidaten bekennen. Wie viele Christdemokraten in den Kreisverbänden Düren-Jülich und Heinsberg zur Wahl-Halbzeit bereits ein Kreuzchen hinter den Namen eines Kandidaten gesetzt haben, das wollte man in den Geschäftsstellen nicht verraten. Seinen Favoriten will Karl Schavier, Kreisvorsitzender des CDU-Verbands Düren-Jülich, nicht nennen: „Die Mitglieder sollen ohne Einfluss von außen ihre Wahl vornehmen. Wir haben zwei sehr gute Kandidaten, da müssen sich die Mitglieder schon selbst für einen entscheiden.“

Auch Gerd Hachen, Heinsbergs stellvertretender Kreisvorsitzender, will sich nicht zu seinem Favoriten äußern. „Ich kenne beide Kandidaten. Und ich komme mit beiden gut aus. Ich vermute einen sehr knappen Ausgang.“ Von mehr als 33 Prozent der aktuell 3600 Christdemokraten in Heinsberg sind in der Geschäftsstelle bereits Stimmzettel eingegangen.

„Zu wenig Aktive“

Wenn die Landes-CDU am 31. Oktober eine Wahlbeteiligung von landesweit über 40 Prozent feststellen könnte, wäre das nach Überzeugung des Europaabgeordneten Herbert Reul ein gutes Ergebnis. Reul, von 1991 bis 2003 Generalsekretär der NRW-CDU, wagt auch keine Prognose, wie das Rennen zwischen Laschet und Röttgen ausgeht. Die dringend notwendige Motivation der Landespartei traut er aber eher Laschet zu. „Der neue Vorsitzende muss sich um jeden Kreisverband kümmern. Wir haben zu wenig Aktive und Engagierte.“ Das ist für Reul, der auch Vorsitzender des CDU-Bezirks Bergisches Land ist, aber nicht nur eine Frage der Quantität, sondern auch der Qualität. „In den Kreisverbänden finden so gut wie keine bundes- und landespolitischen Debatten statt.“ Sein Rezept: „Wir müssen Diskussionen erzwingen. Wir brauchen Reformparteitage, wir brauchen Streit. Und der Vorsitzende muss dann die Truppe trotzdem zusammenhalten.“

Die Landespartei will am 31. Oktober in Düsseldorf bis spätestens 21 Uhr das Ergebnis der Mitgliederbefragung bekanntgeben. Ein Trend dürfte aber wohl schon vor 20 Uhr durchsickern. Beide Kandidaten haben angekündigt, das Votum zu respektieren. Eine Woche später wird der Landesparteitag den neuen Vorsitzenden offiziell wählen. Das ist unumgänglich, weil es die Satzung der Landes-CDU so vorschreibt. Es wird erwartet, dass der Unterlegene in der Mitgliederbefragung noch vor dem Parteitag seine Kandidatur zurückzieht.
 

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